Pädagogisches Konzept

Im Rahmen der Werte, der Grundsätze und des Bildungsmodells der United World Colleges, des Internationalen Baccalaureate Bildungsauftrags, des Profils der Lernenden, des Curriculums, sowie gemäß den Anforderungen des Landes Baden-Württembergs für die Erfüllung der Auflagen zur Schulpflicht für die deutschen Schüler und Schülerinnen, ist es Ziel des UWC Robert Bosch Colleges, einen besonderen Schwerpunkt in Bezug auf Nachhaltigkeit zu entwickeln. Dies schließt die Frage ein, wie Nachhaltigkeit durch Technologie unterstützt werden kann. Die Werte, Grundsätze und das Bildungsmodell des UWC sind eher deskriptiv als ein systematisches pädagogisches Konzept. Kern ist eine “bewusst vielfältige, engagierte und motivierte Gemeinschaft, hausarbeiten schreiben die versucht im Sinne des UWC Bildungsauftrags zu handeln”. Der Ansatz im UWC unterstreicht Lernerautonomie und persönliche Sinnstiftung. Das International Baccalaureate Diplom bietet ein in sich stimmiges “liberales” Curriculum, das einen bewussten Kompromiss zwischen verschiedenen nationalen Schwerpunkten bezüglich “Breite” und “Tiefe” schließt. Jedoch wurde es nicht speziell für die Möglichkeiten und Bedürfnisse der UWCs und eines Colleges entworfen, das Nachhaltigkeit und Technologie im Schulprofil verankert hat.

Es besteht ein Spannungsverhältnis zwischen dem UWC-Ansatz in Bezug auf Lernerautonomie und persönliche Sinnstiftung einerseits und der Herangehensweise des IB Lernerprofils andererseits, die Moral- und Charakterbildung miteinschließt.

Das wissenschaftliche Interesse an Nachhaltigkeit, insbesondere an ökologischer Nachhaltigkeit, und der Fragestellung, wie diese durch Technologien unterstützt werden könnte, ist relativ neu und Einsichten und Erkenntnisse entwickeln sich derzeit rasch auf diesem Gebiet. Nachhaltigkeit und Technologie stehen in zentralem Fokus der Schule, es werden hierfür erhebliche Ressourcen innerhalb des finanziellen und pädagogischen Rahmens bereitgestellt. Dementsprechend wäre es kurzsichtig, das momentane Verständnis des College von Nachhaltigkeit und Technologie festzulegen
oder zu fixieren, da es vermutlich schnell überholt wäre. Darüber hinaus muss eine entscheidende Komponente bei der Erziehung in dieser Hinsicht sein, Situationen und Gegebenheiten zu schaffen, in denen Menschen sich verpflichtet fühlen, eine positive Veränderung in ihrem eigenen Leben und in der Welt voranzutreiben.

„Es ist ein Verbrechen, junge Menschen zu Meinungen zu zwingen. Indoktrination ist vom Teufel, aber es ist Verwahrlosung, ihnen nicht zu Erfahrungen zu verhelfen.“
(Kurt Hahn, deutscher Pädagoge und Gründer des UWC)

Ein letzter Aspekt bei Feststeckung eines Rahmens für das Pädagogische Konzept des UWC Robert Bosch Colleges ist die Philosophie Kurt Hahns, nach dem „indirekten“ oder „verborgenen“ Zugang zu den tiefsten Bildungszielen zu streben: „Als ich einmal herausfordernd um eine Erklärung gebeten wurde, was denn etwa das Segeln auf einem Schoner zur internationalen Erziehung beitragen könne, antwortete ich: “Zur Zeit haben wir in Gordonstoun die Anmeldungsunterlagen eines zukünftigen Königs eines arabischen Landes für die Aufnahme vorliegen. Ich habe gerade einige jüdische Schüler
in der Schule. Sollten der arabische Schüler und einer der jüdischen Schüler auf unserem Schoner einen Segeltörn machen und vielleicht in einen Nordoststurm geraten, und sollten sie zusammen heftig seekrank werden, so habe ich etwas für die internationale Erziehung getan.” (Meister 2012).

Das UWC Robert Bosch College ist nicht entmutigt oder abgeschreckt durch unterschiedliche Strömungen oder Gebote. Experimente im internationalen Bildungswesen mussten schon immer unterschiedliche nationale und persönliche Imperative miteinander vereinbaren. Wertschätzung für die Kompromisse zu entwickeln, die gefunden werden müssen, bereitet SchülerInnen und LehrerInnen auf den Umgang mit komplexen Problemen vor, wenn globale Lösungen in anderen Zusammenhängen gefunden werden müssen.

Das Ziel des Pädagogischen Konzepts ist es, ein “Gerüst” um den Bildungsraum zu bauen, für den das College steht. Ein Raum, der immer aufs Neue von jeder SchülerInnen- und LehrerInnengeneration gefüllt werden muss. Desweiteren ist vorgesehen, dass das College als Zentrum für Schulentwicklung und innovative Lehre fungiert, und dass dieser Aspekt im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten so schnell wie möglich nach der Eröffnung realisiert wird.


Das pädagogische Konzept ist begründet auf Projektberichten, einer Konferenz des Beratungsausschusses in Freiburg im Mai 2012 und Diskussionen einer Gruppe von Bildungsexperten, die im September 2012 das UWC Atlantic College besuchten, sowie weiteren Diskussionen im UWC Robert Bosch College Kuratorium. Lesen Sie hier das komplette Dokument.

Das UWC Robert Bosch College möchte den folgenden Personen für ihren unschätzbaren Beitrag an verschiedenen Stellen des Konsultationsprozesses danken:

Matthias Beck, Experte im Bereich Change Management, UWC Alumnus
Eva Eschenbruch, Gründungsgeschäftsführerin des UWC Robert Bosch Colleges, UWC Alumna, Generalsekretärin der Deutschen Stiftung UWC
Peter Howe, Rektor des UWC Maastricht
Andreas Meisner, Schulleiter der integrierten Gesamtschule Franzsches Feld
Laurence Nodder, Rektor des UWC Robert Bosch Colleges
Prof. Dr. Regina Palkovits, Lehrstuhl für Heterogene Katalyse und Technische Chemie Institut für Technische und Makromolekulare Chemie (ITMC)
Dr. Alistair Robertson, Stellvertretender Schulleiter des Red Cross Nordic UWC
Dr. Roman Rösch, Bereichsleiter Bildung, Robert Bosch Stiftung
Prof. Dr. Heiner Schanz, Ehemaliger Vizerektor und Prorektor für Lehre, Professor für Environmental Governance, Gründungsvorsitzender des Direktoriums, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Prof. Dr. Michael Schratz, Dekan der School of Education, Universität Innsbruck, Sprecher der Jury des Deutschen Schulpreises

Mitglieder der Beiratsgruppe zu Nachhaltigkeit im UWC Robert Bosch College Kuratorium:

Prof. Dr. Derek Blackman, Ehemaliger Vizevorsitzender des UWC International Vorstandes, ehemaliger Generaldirektor der International Baccalaureate Organisation.
Prof. Dr. Manfred Euler, ehemaliger Direktor des Leibniz Instituts für Pädagogik in den Naturwissenschaften
Dr. Alexander Urban, Geschäftsführer, Heidehof Stiftung
Prof. Dr. Joachim von Braun, Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Prof. Dr. Eicke R. Weber (Leiter der Arbeitsgruppe), Direktor des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme