20.02.2026

Alumni Spotlight: Nastya (Class of 2019)

Nastya war noch in der Oberschule in Russland, als ihr Vater ihr eine einfache Frage stellte: Würde sie ein Stipendienprogramm im Ausland in Betracht ziehen? Die Idee kam ihr kühn und etwas unrealistisch vor, aber sie öffnete ihren Laptop und suchte trotzdem. Eines der ersten Ergebnisse war UWC. Als sie sich das Leitbild und die Beschreibung des idealen UWC-Bewerbers durchlas, machte es sofort Klick. Sie stöberte nicht weiter. Sie bewarb sich auch nicht woanders. Sie hatte bereits versucht, Nachhaltigkeitsinitiativen an ihrer Schule zu leiten und war dabei oft auf Gleichgültigkeit oder stillen Widerstand gestoßen. Bei UWC erkannte sie genau die Art von Umfeld, nach der sie gesucht hatte, ein Umfeld, in dem Initiative, Service und Neugier keine ungewöhnlichen Eigenschaften, sondern gemeinsame Werte waren. Sie wählte das UWC Robert Bosch College als ihre erste Wahl und als die Zusage kam, fühlte sie sich wie eine perfekte Bestätigung.

Die zwei Jahre in Freiburg waren aufregend und anstrengend zugleich. Das Heimweh war groß, besonders im ersten Jahr. Aber es gab auch viel zu entdecken: neue Sprachen, neue Freundschaften, neue Sichtweisen auf die Welt und auf sich selbst. Eine der schwierigsten Anpassungen erwies sich als eine der prägendsten: die Intensität der engen Gemeinschaft. Nastya, die aus einer eher unabhängigen Lebensweise kam, fand es anfangs schwierig, sich auf einem kleinen, eng vernetzten Campus zurechtzufinden, wo die Menschen die Stimmungen, Gewohnheiten und Entscheidungen der anderen mitbekamen. Es gab wenig Anonymität, und manchmal fühlte sich diese Sichtbarkeit unangenehm an. Erst später erkannte sie es als Geschenk. Neben dem tieferen persönlichen Wachstum gab es auch die Art von Momenten, die einem in Erinnerung bleiben: Projektwochen und Kanufahren in Bayern, Freiwilligenarbeit in Prag, die Organisation eines Hilfsprojekts in Florenz, eine Schneeballschlacht, die den gesamten Campus erfasste, eine Radtour zu einem Pferdestall in der Nähe von Freiburg für ihren Dienst. Das waren keine Extras. Sie standen im Mittelpunkt des Lernens, förderten das Selbstvertrauen, die Initiative und die Freude an der gemeinsamen Arbeit.

Nach ihrem Abschluss im Jahr 2019 verfolgte Nastya einen Weg, der ihre Stärken in Biologie und Mathematik mit dem Wunsch verband, etwas zu bewirken. Ein Gespräch mit Hubertus, dem Berufsberater von RBC, wies sie auf die Biomedizintechnik hin, ein Gebiet, das sie zuvor kaum in Betracht gezogen hatte. Sie studierte daraufhin an der Northwestern University und arbeitet heute als Qualitätsingenieurin in der Fertigung eines Unternehmens für medizinische Geräte, das sich auf tragbare Überwachungstechnologien spezialisiert hat. Ihre Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Geräte konsistent und sicher hergestellt werden – von kommerziellen Produkten bis hin zu Lösungen, die für Menschen mit geringen Ressourcen auf der ganzen Welt entwickelt wurden. Sie beschreibt ihren Beitrag als „einen kleinen, aber realen Teil“ eines besseren Zugangs zur Gesundheitsversorgung und einer zuverlässigeren Patientenüberwachung. Dieser Weg war nicht ohne Schwierigkeiten. Visa-Komplikationen hinderten sie daran, in die Vereinigten Staaten zurückzukehren, obwohl sie einen gültigen Arbeitsstatus hatte, so dass sie eine Zeit lang fernab der Heimat arbeiten musste. Doch die Widerstandsfähigkeit, die sie auf ihre Zeit am RBC zurückführt, zeigt sich auch hier deutlich. Sie macht weiter, passt sich an und konzentriert sich auf sinnvolle Arbeit und nicht auf perfekte Pläne.

Wenn Nastya darüber nachdenkt, was UWC ihr gegeben hat, nennt sie drei Dinge: die Fähigkeit, über Unterschiede hinweg Kontakte zu knüpfen, Belastbarkeit unter Druck und Klarheit der Werte. Sie beschreibt RBC als eine Art inneren Kompass, keine starre Ideologie, sondern eine ständige Erinnerung an die Person, die sie sein möchte: offen, neugierig und motiviert, eine Arbeit zu machen, die wirklich wichtig ist. Sie trägt das durch die Menschen um sie herum weiter. Die meisten ihrer engsten Freunde sind heute UWC-Absolvent:innen, darunter auch ihr Verlobter. Ihre Gespräche drehen sich oft um die gleichen Fragen: Machen wir eine Arbeit, die etwas bedeutet? Fühlt sich dieser Weg noch richtig an? In einer schnelllebigen Welt ist diese Art der gemeinsamen Reflexion eine eigene Form der Erdung. In Nastyas Geschichte geht es nicht um eine plötzliche Veränderung oder einen perfekt ausgearbeiteten Plan. Es geht um eine junge Person, die einem Gefühl vertraute, eine Gemeinschaft fand, die ihrer Energie entsprach, und dieses Gefühl der Orientierung in eine Arbeit einbrachte, die das Wohlbefinden der Menschen fördert. Manchmal werden große Missionen genau auf diese Weise wahr.

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