
Empathie zurückgewinnen: „Nicht optional, sondern unerlässlich“
Empathie ist vielleicht der am meisten übersehene menschliche Wert. Seine Bedeutung hat sich verwässert, und viele Menschen sind gegenüber den Ungerechtigkeiten um sie herum desensibilisiert. Echte Probleme und Leiden werden auf Schlagzeilen und flüchtige Empfindungen reduziert. Wenn die Bedeutung der Empathie schwindet, bietet die Teilnahme an einer UWC-Programm ein einzigartiges Privileg: die Chance, diesen wesentlichen menschlichen Wert wiederzuentdecken. Über das bloße Hören von Geschichten hinaus vermittelt die Teilnahme an Gesprächen mit Menschen aus aller Welt ein tiefes Verständnis für reale Probleme und Phänomene und hilft uns, Empathie auf sinnvolle Weise zu kultivieren und zu praktizieren.
Den inneren und äußeren Frieden erforschen
Special Focus Days sind Tage, an denen die Schüler:innen anstelle des regulären Unterrichts an Workshops teilnehmen, die von Gästen, Mitarbeiter:innen oder Mitschüler:innen zu einem bestimmten Thema angeboten werden. Der Peace and Conflict Special Focus Day (SFD) am 29. Januar konzentrierte sich auf Fragen von Konflikt und Frieden, sowohl bei uns selbst als auch in der Welt. Für mich war dieser Tag von besonderer Bedeutung, da er mich wieder mit meinem Verständnis von Empathie und Mitgefühl in Kontakt brachte.
Im Laufe des Tages habe ich an verschiedenen Sitzungen teilgenommen. Die Workshops, die mich am meisten beeindruckt haben, befassten sich mit persönlichem Frieden und den Auswirkungen von Ereignissen wie dem Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg. Die Session zum persönlichen Frieden stach hervor, weil sie betonte, dass wir Empathie nicht nur auf andere, sondern auch auf uns selbst anwenden. Wir erleben die Welt und interagieren mit anderen durch unser eigenes Gefäß. Wie wir uns selbst behandeln und verstehen, prägt alle anderen Erfahrungen grundlegend.
Geteilte Menschlichkeit, geteilte Verantwortung
Als jemand, der am CAS Stolpersteine unserer Schule teilnimmt – eine außerschulische Aktivität, bei der die Mitglieder Holocaust-Gedenksteine in der ganzen Stadt reinigen und zur Erinnerung beitragen – weiß ich das sehr zu schätzen. Obwohl ich in einem Umfeld aufgewachsen bin, das weit von den direkten Auswirkungen des Holocausts entfernt ist, war es für mich sehr wichtig, mich mit dem emotionalen und moralischen Gewicht des Zweiten Weltkriegs auseinanderzusetzen und eine Rolle in der Erinnerung zu spielen. Diese Erfahrung hat mich gelehrt, dass Empathie nicht aus persönlicher Verbundenheit oder direkter Verbindung entstehen muss. Vielmehr entspringt sie unserer gemeinsamen Menschlichkeit; sie ist ein zentraler menschlicher Wert, der uns miteinander verbindet.
Die Macht der verletzlichen Konversation
Mein Tag beinhaltete auch bedeutungsvolle und verletzliche Gespräche mit Mitgliedern der Gemeinschaft. Diese Interaktionen erinnerten mich an die Kraft der unterschiedlichen Erfahrungen und daran, wie wichtig es ist, ihnen wirklich zuzuhören. Die Themen meiner Kolleg:innen waren nicht länger abstrakte Nachrichten, historische Fakten oder ferne politische Konflikte – sie waren rohe, gelebte menschliche Erfahrungen. Um im Einklang mit den Werten von UWC zu leben und einen sinnvollen Beitrag für die Welt zu leisten, ist die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und zuzuhören, meiner Meinung nach nicht optional, sondern unerlässlich.


