
Musik als Sprache der Verbundenheit
Als Aimée sich für das UWC Robert Bosch College bewarb, tat sie das zunächst aus einem einfachen Grund: Sie wollte es später nicht bereuen, es nicht versucht zu haben. Ihre älteste Schwester hatte selbst ein United World College in Norwegen besucht und ihr immer wieder von dieser besonderen Erfahrung erzählt – von der Freiheit, eigene Projekte zu gestalten, von einer Gemeinschaft, die trägt, und von einem neuen Blick auf die Welt.
„Meine Schwester hat gesagt, dass sie dort eine Brille aufgesetzt bekommen hat, durch die die Zukunft viel hoffnungsvoller aussah“, erinnert sich Aimée.
Diese Vorstellung ließ sie nicht los. Schon während des Bewerbungsprozesses begann sie, sich selbst besser kennenzulernen. Die tiefgründigen Fragen der Bewerbung regten sie dazu an, über ihre Werte, Wünsche und Ziele nachzudenken. Als schließlich die Zusage kam, war die Freude groß.
Ankommen an einem Ort, der sich schnell wie Zuhause anfühlt
Dass sie ausgerechnet in Freiburg und nicht an einem UWC im Ausland landen würde, empfand Aimée zunächst als kleine Enttäuschung. Heute kann sie darüber nur noch lächeln.
„Nach zwei Wochen dachte ich nur noch: Wie gut, dass ich hier bin.“
Die internationale Erfahrung, die sie gesucht hatte, fand sie nicht in der geografischen Entfernung, sondern in den Menschen um sie herum. Gleichzeitig schätzt sie die Nähe zu ihrer Familie am Bodensee, die sie an manchen Wochenenden besuchen kann.
Im Vergleich zu ihrer früheren Schule erlebt Aimée das Lernen am UWC als grundlegend anders. Statt Frontalunterricht und auswendig gelerntem Wissen steht hier der Austausch im Mittelpunkt.
„Hier gehe ich nicht nur in die Schule, um Unterricht zu haben. Ich gehe hierher, um meine Freunde zu treffen, gemeinsam zu lernen und zu wachsen.“
Besonders begeistert sie, wie unmittelbar sich das Gelernte auf das echte Leben bezieht. Ob Politik, Gesellschaft oder globale Themen – Unterricht wird zu etwas Persönlichem.
Musik als Lebensbegleiterin
Musik ist seit frühester Kindheit ein zentraler Teil von Aimées Leben. Gemeinsam mit ihrer Familie musiziert sie seit ihrem zweiten Lebensjahr in einer Familienband, die Kinderlieder aufführt. Aimée singt, komponiert Songs und spielt Klavier.
Am UWC hat sich ihre Beziehung zur Musik noch einmal verändert. Zum ersten Mal entdeckt sie ihren ganz eigenen Stil und arbeitet intensiv an eigenen Songs. Wenn sie sich und ihren Musikstil mit drei Sängerinnen beschreiben müsste, wären das Raye, Olivia Dean und Lizzy McAlpine.
Noch in diesem Jahr möchte sie ihr erstes Album veröffentlichen.
„In meinen Liedern halte ich Gefühle fest – und auch ein Stück meiner Erfahrung hier am UWC.“
Zusammen mit Mitschülern komponiert, produziert und experimentiert sie. Musik ist für Aimée weit mehr als ein Hobby: Sie ist Ausdruck von Menschlichkeit und Hoffnung.
„In einer Welt voller Konflikte möchte ich mit meiner Musik Liebe und Hoffnung weitergeben.“
Wenn der Alltag am College turbulent wird, findet sie am Klavier ihren Anker. Ob im CAS-Haus, im Auditorium oder bei gemeinsamen Sessions mit Freund:innen – Musik erdet sie.
Eine Freundschaft, die den Horizont erweitert
Aimée teilt ihr Zimmer mit Somaya aus Afghanistan und Johanna aus Deutschland. Was als einfache Wohngemeinschaft begann, ist zu einer tiefen Freundschaft geworden.
„Unser Zimmer fühlt sich an wie eine kleine Familie.“
Besonders die Beziehung zu Somaya hat Aimée nachhaltig geprägt. Durch ihre Erzählungen hat sie einen sehr persönlichen Einblick in die Lebensrealität von Frauen in Afghanistan bekommen – und erlebt nun mit, wie Somaya am UWC neue Freiheiten entdeckt.
„Es ist wunderschön zu sehen, wie sie hier aufblüht und einfach sie selbst sein kann.“
Somaya experimentiert mit ihrem Aussehen, lebt ihre Persönlichkeit offen aus und gewinnt Schritt für Schritt Selbstvertrauen. Für Aimée ist das eine tägliche Erinnerung daran, wie wichtig Bildung, Freiheit und Gemeinschaft sind.
„Das UWC sind die Menschen – nicht die Gebäude und nicht die akademischen Programme.“
Mit offenem Herzen in die Zukunft
Aimée gehört zu den jungen Menschen, die mit großer Sensibilität und Kreativität auf die Welt blicken. Sie verbindet musikalisches Talent mit echter Neugier auf andere Menschen und Kulturen.
Ihr erstes Jahr am UWC Robert Bosch College hat sie nicht nur akademisch, sondern vor allem menschlich wachsen lassen. Sie hat neue Perspektiven gewonnen, tiefe Freundschaften geschlossen und ihren eigenen Weg als Musikerin klarer vor Augen.
Und wenn sie am Klavier sitzt und singt, wird deutlich, was sie an diesen Ort gebracht hat: der Wunsch, Menschen zu berühren und Hoffnung hörbar zu machen.
Foto: Björn Hänssler


