27.07.2026

Die Verbindung von Mensch und Garten als Lebenswerk

Generationswechsel im Schulgarten

Zufrieden lächelt Eva, während wir auf einer Bank sitzen und den 2000 qm großen Schulgarten überblicken. „Es ist schön, zu erleben, wie das hier jetzt Früchte trägt.“ Damit meint sie den über 600 Jahre alten Klostergarten, der in den letzten zehn Jahren unter ihrer Führung zu einem integralen Bestandteil des Schullebens geworden ist. Ein Ort, der täglich von Schüler:innen aufgesucht wird – zum Ernten, Lernen, Tiere füttern oder einfach, um zur Ruhe zu kommen. Die sonnige Lage, die große Pflanzenvielfalt und die schützenden alten Mauern machen ihn zu einem besonderen Rückzugsort im lebendigen UWC-Alltag.

Seit einem Jahrzehnt bewirtschaften Schüler:innen im Rahmen ihres CAS-Programms gemeinsam mit Eva Schüle und ihrem Team den Garten – biologisch, achtsam und im Einklang mit den Jahreszeiten. Aus den Schnittstellen zwischen Naturzyklen und Schuljahresrhythmus ist über die Jahre ein lebendiges Programm entstanden. „Wir packen da an, wo der Garten Bedarf hat. Das ist je nach Jahreszeit sehr unterschiedlich“, sagt Eva. „Für mich ist es nicht so wichtig, was die Schüler:innen hier konkret lernen – das ist sehr individuell. Wichtig ist, dass sie es als bereichernd erleben.“
Ein wichtiger Bestandteil dieser Entwicklung ist das Gartenfreiwilligenprogramm, das über die Jahre stetig gewachsen ist: Jeden Freitagnachmittag kommen Freiwillige zusammen, arbeiten im Garten mit und tragen Verantwortung – auch über die Sommermonate hinweg, wenn der Schulbetrieb ruht. So bleibt der Garten ein kontinuierlich gepflegter, gemeinschaftlich getragener Ort.
Evas Verbindung zu diesem Ort reicht weit zurück. Seit den 1990er Jahren bewirtschaftete sie den Garten gemeinsam mit ihrem Mann. Mit viel Erfahrung, Geduld und Überzeugung verwandelten sie eine klassische Zierpflanzengärtnerei in einen vielfältigen Nutzpflanzengarten und stellten auf biologischen Anbau um. Neben den Beeten und Anbauflächen pflegen Eva und ihr Team auch rund 140 Obst- und Fruchtbäume auf dem Campus.

Mit der Gründung des UWC Robert Bosch College begann eine neue Phase: Aus einem privat geführten Garten wurde ein Bildungsraum. Eine wichtige Rolle spielte dabei der ehemalige akademische Leiter Christian Bock, der mit dem Ansatz der „Place-based Education“ Impulse setzte, Lernen stärker an konkrete Orte und Erfahrungen zu knüpfen. Für Eva war das eine Bestätigung ihrer Praxis – und ein Ausgangspunkt, um den Garten weiter in das pädagogische Konzept einzubetten.

Heute ist der Garten ein zentraler Bestandteil des Schullebens. Besonders sichtbar wird das bei gemeinsamen Momenten im Jahreslauf: Wenn neue Schüler:innen ankommen und erste Erfahrungen im Garten sammeln, oder am Spring Day, wenn die gesamte Schulgemeinschaft zusammenkommt, um zu pflanzen, zu gestalten und den Ort weiterzuentwickeln.
Evas Ansatz ist geprägt von Vertrauen in Prozesse. „Ich arbeite gerne im Hintergrund und halte die Fäden zusammen“, beschreibt sie ihre Rolle. Vieles darf entstehen, wachsen, sich verändern. „Wenn unterschiedliche Blickwinkel zusammenkommen, kann Neues entstehen.“

Der Garten wird so zu einem Resonanzraum – nicht nur für Pflanzen, sondern auch für Menschen. Ein Ort, an dem Begegnung möglich ist, an dem gemeinsam gearbeitet wird, aber auch einfach Sein erlaubt ist. „Ob jemand viel oder wenig leistet, spielt hier keine Rolle. Wichtig ist, dass die Menschen ihren Platz finden.“
Diese Offenheit zeigt sich auch in der Vielfalt des Gartens: Neben klassischen Kulturen wachsen hier inzwischen auch ungewöhnlichere Pflanzen wie Zuckerhirse oder Hiobstränen – Impulse, die oft durch die internationale Schülerschaft eingebracht werden.

Im August hat Eva ihre Aufgabe an ihre Nachfolgerin Leonie übergeben – eine langjährige Gartenfreiwillige, studierte Pädagogin und Mitglied des Weltacker Freiburg. Für Eva ist dieser Schritt ein bewusster Teil des Prozesses: „Übergaben sind wichtig. Es braucht Vertrauen – und die Bereitschaft, wirklich Platz zu machen, damit Neues entstehen kann.“ Die Übergabe verläuft eng begleitet und im Austausch – eine Grundlage für Kontinuität und Weiterentwicklung zugleich.

Wenn Eva heute zurückblickt, dann mit Dankbarkeit. Was als private Initiative begann, ist heute ein lebendiges System, getragen von vielen. „Der Garten ist mein Lebenswerk – aber nicht im Sinne von etwas Abgeschlossenem. Sondern als etwas, das ich mit anderen aufbauen durfte.“

Und während wir aufstehen und noch einmal über die Beete und Bäume blicken, wird deutlich, was sie meint: ein Ort in Bewegung – verwurzelt und offen zugleich.

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