
Menschen am RBC: Zwischen Biodiversität und Gemeinschaft
Wolfram Seitz-Schüle über Natur, Verantwortung und das Leben am RBC
Kannst du dich bitte vorstellen?
Ich bin Wolfram Seitz-Schüle. Ich bin verheiratet mit Eva Maria Schüle und wir haben zwei erwachsene Söhne und mittlerweile auch drei Enkelkinder. Am RBC bin ich Estate Manager.
Und kannst du dich jetzt vorstellen, ohne deinen Namen, deine Familie oder deine Rolle am RBC zu erwähnen?
Ich bin zuständig für das besondere Geschenk der Natur, das uns dieser Standort bietet. Das heißt, ich widme mich dem Naturschutz, der Biodiversität und dem historischen Charakter des Geländes.
In anderen Worten: Als Estate Manager kümmerst du dich um das 9,8 Hektar große Areal rund um unseren Campus. Was sind typische Aufgaben, die dabei anfallen?
Unser Gelände ist Teil einer großen Biotopverbundachse vom Rheintal in den Schwarzwald und spielt gerade in der Biodiversitätskrise eine sehr wichtige Rolle. Deshalb arbeiten wir nicht nur auf unserem Gelände, sondern auch außerhalb – mit unseren Maschinen und mit den Tieren.
Was hat dich ans RBC gebracht und was bedeutet es heute für dich, Teil dieser Community zu sein?
Unsere Familie lebt hier schon seit Generationen, und eigentlich kam das RBC zu uns statt umgekehrt. Evas Großvater und Vater waren hier Förster, und Eva und ich pflegen das Gelände schon seit fast 40 Jahren. Für uns ist das College aus heutiger Sicht eines der größten Geschenke in unserem Leben. Das Kloster, in dem wir uns befinden, war im Mittelalter ein wesentlicher Mittelpunkt des europäischen Humanismus, und hier wurde eines der wichtigsten naturwissenschaftlichen Bücher des Mittelalters geschrieben. Das RBC bringt diese Dinge zurück: Wissenschaftsorientierung, Humanismus und Friedensarbeit. Und das Besondere ist, dass jedes Jahr 100 neue motivierte junge Menschen kommen, die an die Zukunft glauben und mit denen wir gemeinsam eine Community formen dürfen.
Wir Schüler:innen können uns den Campus gar nicht ohne die Schafe vorstellen, und wenn es um sie geht, bist du der Experte. Kannst du uns ein Geheimnis über die RBC-Schafe verraten?
Also, das größte Geheimnis bei Schafen sind immer: Leckerlis.
Clara: Das habe ich vorhin sogar demonstriert bekommen!
Genau! Wir arbeiten mit den Schafen ohne Hund, deshalb müssen wir sie ein bisschen dressieren, damit wir mit ihnen umgehen können. Das Geheimnis dabei ist Getreide oder etwas Süßes. Man darf es natürlich nicht übertreiben, weil das für Wiederkäuer sehr gefährlich sein kann.
Clara: Wie viele Schafe haben wir hier?
Wir haben etwa 100 Schafe und dazu noch zwei Alpakas. Und wenn wir sie brauchen, haben wir auch noch Rinder, mit denen wir auf die Weide gehen können.
Hast du eigentlich einen Lieblingsplatz auf dem Campus?
Es gibt viele Lieblingsorte. Einer davon ist die Insel unterhalb des Stromhauses. Dort waren wir oft mit unserer Familie, und unsere Kinder und Enkelkinder haben dort schwimmen gelernt.
Leni (Enkelin): Ja, da bin ich früher immer geschwommen!
Ein anderer Ort ist oben auf der Johannesheimwiese. Dort kann man im Frühjahr den schneebedeckten Feldberg sehen, während es hier unten schon warm und frühlingshaft ist.
Was begeistert dich an deiner Arbeit?
Ich war schon immer ein sehr naturverbundener Mensch. Das Schöne ist, dass ich hier das machen kann, was meine große Leidenschaft ist: zum einen für die Gesellschaft zu arbeiten – ich engagiere mich auch im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz – und zum anderen mich für Biodiversität und Naturschutz einzusetzen.
Zum Schluss: Was motiviert dich, weiter für eine friedliche und nachhaltige Zukunft zu arbeiten?
Wenn ich in die Augen der Schüler:innen hier schaue, dann ist es genau dieser Blick in die Zukunft, der mir Motivation gibt. Es gibt einen Spruch von Martin Luther: „Selbst wenn die Welt morgen untergehen würde, würde ich heute einen Apfelbaum pflanzen.“ Das College und die Arbeit hier sind für mich ein Apfelbaum.
Das Interview führte RBC-Schülerin Clara Christ.


