22.06.2026

Schülerportrait: Seine Stimme finden – fern der Heimat

Schülergeschichten: Seine Stimme finden – fern der Heimat

Als Hamza zum ersten Mal durch seinen älteren Bruder vom UWC hörte, wusste er nicht genau, was ihn erwarten würde.

Aufgewachsen in Sierra Leone hätte er sich nie vorstellen können, einmal ein internationales Internat in Deutschland zu besuchen. Doch die Aussicht, Menschen aus aller Welt kennenzulernen und eine ganz andere Art von Bildung zu erleben, war einfach zu spannend. „Ich dachte: Warum nicht einfach ausprobieren?“, erinnert er sich. „Es klang interessant, es klang cool – und ich wollte sehen, was passiert.“

Knapp ein Jahr später blickt Hamza auf seine Zeit am UWC Robert Bosch College als eine Reise voller neuer Erfahrungen zurück. Mit dem Umzug nach Freiburg ließ er Familie, Freund:innen und Vertrautes hinter sich. Dafür fand er eine Gemeinschaft, die seinen Horizont erweitert und ihn auf unerwartete Weise wachsen ließ.

„Man wächst oft mit bestimmten Vorstellungen und Sichtweisen auf, weil man nichts anderes kennt“, sagt er. „Wenn man hierherkommt, erlebt man, wie der Rest der Welt lebt. Das ist unglaublich wertvoll.“

Die Natur im Schulwald entdecken

Eine der größten Überraschungen seines ersten Jahres war für Hamza der School Forest CAS. Anfangs wusste er kaum, was ihn dort erwartete. Bei jedem Wetter draußen zu arbeiten, lag weit außerhalb seiner Komfortzone. Doch aus einer zunächst ungewohnten Verpflichtung wurde mit der Zeit eine seiner wertvollsten Erfahrungen.

Vom Holzspalten über den Umgang mit Forstwerkzeugen bis hin zum Schätzen des Alters von Bäumen – die praktischen Fähigkeiten waren dabei nur ein Teil des Ganzen. Der Schulwald half Hamza auch, die Natur mit anderen Augen zu sehen. Als jemand, der aus einer Großstadt kommt, beeindruckte ihn besonders, wie selbstverständlich die Natur zum Alltag am RBC gehört.

„Das ist etwas, das ich am RBC wirklich liebe“, sagt er. „Die Natur ist hier so selbstverständlich Teil des Lebens.“

Genauso wichtig wurde der Schulwald zu einem Ort der Begegnung. Die gemeinsame Arbeit im Freien schuf Verbindungen zu Mitschüler:innen, denen er sonst vielleicht nie nähergekommen wäre.

„CAS ist ein Ort, an dem Freundschaften entstehen“, sagt Hamza. „Man verbringt Zeit miteinander, arbeitet gemeinsam an etwas – und genau dadurch wächst man zusammen.“

Sport treiben und Ausdauer entwickeln

Auch außerhalb des Unterrichts nutzt Hamza die vielfältigen Sport- und Bewegungsangebote auf dem Campus. Zurzeit trainiert er Calisthenics und schätzt besonders, dass ihm sowohl das schuleigene Fitnessstudio als auch das Outdoor-Gym am Rande des Schwarzwalds zur Verfügung stehen. Darüber hinaus hat er im Rahmen des CAS-Programms an Fußball, Basketball und Taekwondo teilgenommen.

Ob beim Erlernen neuer Techniken, dem Verbessern seiner Fitness oder dem Verfolgen persönlicher Ziele – diese Erfahrungen haben ihm geholfen, Ausdauer und Disziplin zu entwickeln und gleichzeitig durch gemeinsame Aktivitäten neue Freundschaften zu knüpfen.

Lernen, die eigene Stimme einzubringen

Auch der Wechsel zum International Baccalaureate brachte Herausforderungen mit sich. Im Vergleich zu seiner früheren Schule in Sierra Leone legen die Unterrichtsstunden am RBC deutlich mehr Wert auf Diskussionen und aktive Beteiligung.

„Ich musste mich erst daran gewöhnen, Fragen zu stellen“, erzählt Hamza. „Und ich musste mich auch daran gewöhnen, Antworten zu geben.“

Mit der Zeit lernte er jedoch, genau diese Form des Unterrichts zu schätzen – eine Lernumgebung, in der Schüler:innen ermutigt werden, eigene Ideen und Perspektiven einzubringen.

Im zweiten Halbjahr schloss sich Hamza dem Anti-Racism CAS an und erschloss sich damit ein weiteres spannendes Lernfeld. In Diskussionen, Workshops und von Schüler:innen geleiteten Veranstaltungen setzte er sich mit Fragen zu Identität, kulturellem Verständnis und Inklusion auseinander. Gleichzeitig übernahm er selbst Verantwortung und moderierte Gespräche zu Themen wie kulturellem Erbe oder der Rückgabe geraubter Kunstwerke.

„Es war sowohl informativ als auch sehr bereichernd“, sagt er.

Vor allem aber bestärkte ihn diese Erfahrung in seiner Überzeugung, wie wichtig der Dialog ist. Das Leben in einer internationalen Gemeinschaft hat ihm gezeigt, dass gegenseitiges Verständnis mit Zuhören beginnt – und mit der Bereitschaft, voneinander zu lernen.

„Ich finde, es ist unglaublich wichtig, andere Menschen und ihre Unterschiede zu respektieren“, sagt er.

Der Blick nach vorn

Für die Zukunft möchte Hamza Ingenieurwissenschaften studieren und die Welt auch über Sierra Leone hinaus weiter entdecken. Er kann sich gut vorstellen, einige Zeit im Ausland zu leben, neue Erfahrungen zu sammeln und unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen, bevor er schließlich in seine Heimat zurückkehrt.

Mit diesem Wunsch verbindet er vieles von dem, was er heute am RBC lernt: anderen Sichtweisen zuzuhören, echte Verbindungen zu Menschen aufzubauen und zu erkennen, dass persönliches Wachstum oft dort beginnt, wo man die eigene Komfortzone verlässt.

Eine seiner wichtigsten Erkenntnisse aus dem ersten Jahr am UWC Robert Bosch College ist, dass man seinen Platz in der Welt manchmal erst findet, wenn man den Mut hat, weit weg von zu Hause aufzubrechen.

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